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Frauen in Forschung & Technologie
Austrian Startup Monitor 2021

Austrian Startup Monitor 2021

Veröffentlicht von Karl-Heinz Leitner (AIT), Georg Zahradnik (AIT), Rudolf Dömötör (WU), Johanna Einsiedler (AustrianStartups), Markus Raunig (AustrianStartups), Julia Taferner (Universität Graz)

Ziele und Datengrundlage

  • Das Austrian Institute of Technology (AIT), AustrianStartups und das WU Gründungszentrum führten 2021 zum vierten Mal den Austrian Startup Monitor (ASM) durch. Damit werden Daten zum Status, Umfeld und zu den Perspektiven österreichischer Startups gesammelt.
  • Startups sind Unternehmen mit innovativen Produkten, Dienstleistungen, Technologien oder Geschäftsmodellen, die jünger als 10 Jahre sind und ein signifikantes Mitarbeiter:innen- oder Umsatzwachstum  aufweisen oder anstreben.

Datengrundlage:

  • ASM Datenbank: Regelmäßige Erfassung neu gegründeter Startups in Österreich und deren wichtigen Merkmale anhand öffentlich zugänglicher Daten (Medienberichterstattung, Wettbewerbe, Crowdfunding-  Aktionen, Coworking-Spaces, etc.).
  • ASM Survey: Befragung von Unternehmen zu ihren Perspektiven, Strategien und ihrer Wahrnehmung des österreichischen Startup-Ökosystems. Zudem gibt es jährliche Schwerpunkte. 2021 waren das die Auswirkungen von COVID-19, die Entwicklung akademischer Spin-offs und eine vertiefende Analyse von Gründerinnen. An der Befragung nahmen 2021 530 Gründer:innen und Geschäftsführer:innen teil.
  • Diese Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse des ASM 2021 fokussiert auf jene Daten, die eine Analyse unter Berücksichtigung einer Geschlechterperspektive erlauben.

Daten zur Gründung

  • Gründungsteams: Der Anteil an gemischten Teams, bestehend aus weiblichen und männlichen Mitgliedern, liegt bei 28%. Aber nur ca. 2% der Startups werden von rein weiblichen Gründungsteams initiiert, denn Frauen bevorzugen eher eine Einzelgründung (7%) oder gemischte Teams. Dies bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Gründungsteams ausschließlich aus Männern besteht.
  • Geschäftsführung: 71% der österreichischen Startups werden von Männern geleitet, davon haben 39% einen Geschäftsführer und weitere 32% sogar ein rein männliches Führungsteam. Rund 14% werden ausschließlich von einer Frau geführt und in 15% der Startups leitet eine gemischte Geschäftsführung. Zudem haben nur knapp 1% der Startups ein rein weibliches Geschäftsführungsteam.
  • Im Unterschied zu Startups sind bei Gründungen von Unternehmen in rund 37% der Fälle zumindest eine Gründerin involviert (Einzelgründerin, weibliches Gründungsteam oder gemischtes Gründungsteam), während der Anteil von Frauen auf Ebene der Geschäftsführung nur rund 29% beträgt.
  • Unternehmerische Erfahrung: Die Befragung ergab, dass rund 23% der Frauen und rund 41% der Männer bereits vor der aktuellen Gründung unternehmerische Erfahrung gesammelt haben.
  • Branchen: Frauen sind mit ihren Startups (Einzelgründerin und weibliche Teams) überwiegend im Bereich Handel (26%) und in den Branchen Bekleidung/Textil, Konsumgüter, Nahrungsmittel (18%) vertreten. Männer hingegen sind besonders stark in den Bereichen IT/Softwareentwicklung (76%), Industrielle Technologie/Produktion/Hardware (74%) und Finanzwesen (71%) repräsentiert.

Soziodemografische Daten der Gründer:innen

  • Alter: Nur wenige Gründerinnen und Gründer sind unter 24 Jahre (8% weiblich; 7% männlich). Während die Hälfte der weiblichen Gründerinnen 33 Jahre oder jünger ist, liegt der Wert bei den Gründern mit 35 Jahren etwas höher. In der Altersgruppe über 50 Jahren gründen doppelt so viele Männer (14%) wie Frauen (7%).  Insgesamt war das Altersspektrum 2021 sehr breit aufgestellt. Während die älteste Gründerin 65 und der älteste Gründer 75 Jahre alt waren, waren die jüngste Gründerin und der jüngste Gründer jeweils 18 Jahre alt.
  • Ausbildung: Die Mehrheit der Gründer:innen hat vor der Gründung ein Studium abgeschlossen (75%  Bachelor, Master oder PhD). Während mehr Gründerinnen einen Abschluss eines Master- oder Diplomstudiums (54%) haben, als die männlichen Gründer (46%), gibt es bei den Doktorats- bzw. PhD-Abschlüssen mehr Gründer mit 12% als Gründerinnen (7%). Eine Gründung nur mit einem Maturaabschluss wagen mehr Männer (13%) als Frauen (7%).
  • Nationalität: Der Anteil an Gründerinnen und Gründern mit der österreichischen Staatsbürgerschaft ist etwa gleich hoch (85% weiblich; 88% männlich). Rund 9% der Gründerinnen kommt aus Deutschland. Andere Herkunftsländer spielen bei Frauen eine untergeordnete Rolle. Dagegen sind neben Deutschland unter den Männern auch Gründer aus der Türkei, Italien und der Schweiz vertreten.

Daten zu den Unternehmenszielen

  • Die allgemein als am wichtigsten betrachteten Ziele der Startups sind das Umsatzwachstum, das Nutzer:innenwachstum sowie die Produktentwicklung.
  • Einzelgründerinnen und weibliche Gründungsteams gaben in der Befragung häufiger soziale Ziele an und legen im Vergleich zu den Gründern weniger Wert auf das Mitarbeiter:innenwachstum.
  • Internationalisierung, Profitabilität und die Unternehmenskultur haben für weibliche Gründerinnen einen vergleichsweise geringeren Stellenwert, dafür wird die Organisationsentwicklung als wichtiger eingeschätzt als bei männlichen oder gemischten Gründungsteams.

 

 

 

Daten zu den Mitarbeiter:innen

Größe des Startups:

  • Die Mehrheit der Startups hatte 2021 bis zu 5 Mitarbeiter:innen.
  • Während für rein weibliche Gründungsteams sowie Einzelgründerinnen im Schnitt 3 Mitarbeiter:innen arbeiten,  haben Einzelgründer knapp 5 Mitarbeiter:innen und Unternehmen mit einem männlichen Gründerteam sogar 15  Angestellte.
  • Der Survey konnte auch zeigen, dass kaum ein großes Startup von rein weiblichen Teams oder einer Einzelgründerin geführt wird. Das kann vermutlich mit dem geringeren Interesse von Gründerinnen am Mitarbeiter:innenwachstum  als Unternehmensziel erklärt werden (siehe Folie 5).
  • Insgesamt ist ein Anstieg des Anteils an Mitarbeiterinnen in Startups von 29% im Jahr 2019 auf nun rund 36% zu erkennen. In Unternehmen mit weiblichen Gründungsteams und Einzelgründerinnen sind sogar rund 70% aller Angestellten weiblich. Dahingegen liegt der Anteil an weiblichen Angestellten bei rein männlichen Teams (34%) sowie Einzelgründern (35%) weit darunter.
  • Maßnahmen zur Förderung von Mitarbeiter:innen: Fast zwei Drittel der Startups ermöglichen es,  mehrheitlich außerhalb des Büros zu arbeiten, und rund 39% bieten sogar Full Remote Work an. Viele Unternehmen setzen auf Vertrauensarbeitszeit (43%) und Mitarbeiter:innenbeteiligungsmodelle (39%).  Zudem werden spezifischen Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (38%) und die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung oder Coaching (33%) Bedeutung beigemessen. Ein Diversity Management (14%) und die Unterstützung von Frauennetzwerken (12%) spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Finanzierungsquellen

  • Die häufigste Finanzierungsquelle ist das eigene Ersparte bzw. Bootstrapping und wird von 70% der Startups genutzt. Vor allem überdurchschnittlich viele weibliche Gründungsteams verwenden die eigenen finanziellen Mittel (85%) oder werden von Familien und Freund:innen finanziell unterstützt (29%).
  • Die zweitwichtigste Quelle für die Finanzierung der Startups sind nationale öffentliche Förderungen und Unterstützungen: 51% haben diese zuletzt in Anspruch genommen. Während mehr als die Hälfte der rein männlichen (52%) und gemischten Gründungsteams (55%) nationale öffentliche Förderungen in Anspruch genommen haben, hat nur ein Drittel der weiblichen Teams davon Gebrauch gemacht. Auch bei EU-  Förderungen liegen rein weibliche Teams mit 15% etwas unter dem Durchschnitt (17%).
  • Bei der Finanzierung durch Business Angels und Venture Capital ist die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern am größten. 29% der rein männlichen, 25% der gemischten, aber nur 12% der rein weiblichen Gründungsteams erhalten durch Business Angels ihre Finanzierung. Während 22% der rein männlichen Teams Venture Capital einwerben konnten, liegt dieser Anteil bei gemischten Teams lediglich bei 10% und bei weiblichen Teams sind es nur noch 6%.
  • Mit 60% ist der Anteil rein männlicher Gründungsteams, die externes Risikokapital empfangen haben, um fast 20 Prozentpunkte höher als bei rein weiblichen Gründungsteams.
  • Zudem hat kein einziges rein weibliches Team ein Finanzierungsvolumen von mehr als 500.000 Euro, während mehr als ein Viertel der rein männlichen Teams (27%) und jedes fünfte gemischte Team (20%) mehr als eine halbe Million Euro Risikokapital erhalten haben.

Zusammenfassung

  • In den letzten drei Jahren lag der Anteil von Gründerinnen von Startups unverändert bei rund 17%. Über 35% der Startups haben zumindest eine Frau im Gründungsteam.
  • Zwar konnte ein Anstieg des Anteils an Mitarbeiterinnen auf rund 36% verzeichnet werden, doch ist der Frauenanteil unter den Mitarbeiter:innen vor allem in Unternehmen mit weiblichen  Gründungsteams und Einzelgründerinnen besonders hoch.
  • Die Gründerinnen sind etwas jünger, haben deutlich weniger Gründungserfahrung und verfolgen häufiger soziale und ökologische Ziele.
  • Gründerinnen sind vor allem Teil von Startups in den Bereichen Bildung sowie Konsumgüter.
  • Vor allem bei externen Finanzierungsmitteln (nationale Fördermittel, Business Angels und Venture Capital) gibt es noch ein großes Missverhältnis zwischen Gründerinnen und Gründern.
  • Bei der Förderung von Gründerinnen braucht es vor allem mehr Unterstützung in Bezug auf Vereinbarkeit von Arbeit und Familie.

Quelle: Leitner, Karl-Heinz (AIT); Zahradnik, Georg (AIT); Dömötör, Rudolf (WU); Einsiedler, Johanna (AustrianStartups); Raunig, Markus (AustrianStartups); Taferner, Julia (Universität Graz) (2022): Austrian Startup Monitor 2021. AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Center for Innovation Systems & Policy.

Zusammengefasst für FEMtech von Julia Greithanner (JOANNEUM RESEARCH)