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Frauen in Forschung & Technologie
FEMtech

ELFlight

ELFlight

Erforschung von Lehrmethoden und Lehrmitteln für FlugschülerInnen

Beteiligte Organisationen

Technische Universität Graz – Institut für Mechanik (Projektkoordination), Austrian Aircraft Corporation

Laufzeit

Juni 2014 - Juni 2016

Projektleiter

Ao. Univ.-Prof. Doz. Dipl.-Ing. Dr. techn. Reinhard Braunstingl
r.braunstingl@tugraz.at

Homepage

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Ziel des Projekts

Ziel von ELFlight ist es, zu einem egalitäreren Klima in der Flugausbildung beizutragen. Konkret sollen neue Lehrmethoden und Lehrmittel für die Verbesserung der Flugausbildung von FlugschülerInnen beider Geschlechter erforscht werden. Das Ergebnis eines experimentellen Evaluierungsverfahrens soll zeigen, welche Lehrmethoden und Lehrmittel wirksam sind. Dadurch sollen bekannte Geschlechterunterschiede in der Flugführung bereits im Training berücksichtigt und dadurch gemindert werden. Weiters verfolgt das Projekt ELFlight das Ziel Lücken des derzeitigen Syllabus zu füllen und künftige PilotInnen auf die aktuelle Komplexität des Flugumfeldes von Beginn an vorzubereiten.

Fragestellungen

  • Können Situationsbewusstsein in komplexen Situationen und antizipative Luftfahrzeugführung am Beginn der Flugausbildung erlernt werden?
  • Wird die Berücksichtigung von Lernstiltypen im Simulatortrainingsprogramm zu besserer Lernleistung führen?
  • Werden Trainingseffekte vom Simulator zum Realflug übertragen? Gibt es Geschlechterunterschiede im Transfer?
  • Wird das Coachingprogramm mit weiblichen und männlichen Rollenmodellen (Berufspilotinnen und -piloten) eine Steigerung der Motivation und der Selbstwirksamkeit und eine Änderung der Einstellungen bei den Flugschülerinnen und Flugschülern bewirken?

Hintergrund des Projekts

Laut internationalen Studien haben Frauen in der Luftfahrt lediglich einen Anteil von weniger als 6% an der PilotInnenpopulation (in Österreich 4,6%). Die Arbeitsbedingungen von Pilotinnen werden von technischen, kulturellen, sozialen und organisatorischen Faktoren geprägt. Diese Faktoren müssen berücksichtigt werden, um Frauen eine angemessene Ausbildung und einen erfolgreichen Zugang zur Luftfahrtindustrie zu ermöglichen.

Geschlechter-/Gender-Konzeption

Das Projekt geht von geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Luftfahrzeugführung aus und betont die Genderrelevanz von Lernstiltypen, Lernmethoden und Lehrmittel.

Erste Ergebnisse

Im Projekt ELFlight wurde erforscht, wie FlugschülerInnen am besten unterrichtet werden können, um Situationsbewusstsein zu entwicken und in komplexen Verkehrssituationen mit zusätzlichen Einflüssen wie Wetter, Kommunikation und unvorhergesehenen Ereignissen vorausschauend zu handeln. Konkret wurde die Wirksamkeit von Lehrmethoden und Lehrmitteln für Situationsbewusstsein und antizipative Luftfahrzeugführung auf Basis der Lernstiltypentheorie im  Realflug und im Flugsimulator experimentell untersucht. Zusätzlich wurde ein Coachingprogramm implementiert und evaluiert.

Das Coachingprogramm wurde als ein dreistündiges Gespräch mit einer Berufspilotin und einem Berufspiloten (je 1.5 Sunden) konzipiert. Die Moderation des Gesprächs übernimmt die Genderexpertin und Luftfahrtpsychologin Frau Dr.in Koglbauer. Es ist ein semistrukturiertes Gespräch mit 11 Standardfragen und einem freien Teil, in dem die FlugschülerInnen Fragen stellen können. Das Coachingprogramm wird abschließend durch die FlugschülerInnen bewertet. Es besteht die Möglichkeit auf Wunsch der FlugschülerInnen weitere Kontakte mit den BerufspilotInnen zwecks Coaching aufzunehmen.

Die im Projekt neu konzipierten und erprobten Lehrmethoden und Lehrmittel für die Verbesserung der Flugausbildung wurden von einem großen Teil der FlugschülerInnen als „nützlich“ oder „sehr nützlich“ bewertet. Die neuen Lehrmethoden und Lehrmittel scheinen beide Geschlechter und insbesondere die Frauen anzusprechen. Eine statistische Analyse der Genderunterschiede war aufgrund der geringen Personenanzahl nicht möglich. Das Coachingprogramm mit Berufspilotinnen und –piloten wurde von 100% der Frauen und 64% der Männer als „nützlich“ oder „sehr nützlich“ bewertet.

Im Jänner 2015 hat die Aufbereitung der Fragebögen sowie von Herzrate- und Leistungsdaten bei den Realflügen begonnen. Ab Februar 2015 wurden zusätzlich kinematische Daten bei den Versuchen im Simulator der TU Graz erhoben und aufbereitet.

Dissemination der Ergebnisse

Koglbauer, Iona V.; Braunstingl, Reinhard (2015). Combined mental and flight simulator training. In: International Summer School on Aviation Psychology ISAP’15. Graz am: 08.07.2015.

Koglbauer, Iona V.; Braunstingl, Reinhard; Riesel, Michael; Haberkorn, Thomas; Schadler, Michael (2015). Flight training in a network of simulators improves the ability of flight students to manage complex traffic situations. In: Europe Chapter of the Human Factors and Ergonomics Society Annual Conference. Groningen am: 14.10.2015.

Koglbauer, Iona V. (2015). Simulator training improves the estimation of collision parameters and the performance of student pilots. In: Procedia - Social and Behavioral Sciences 209. (2015), S. 261 – 267.

Koglbauer, Iona V. (2015). Training for prediction and management of complex and dynamic flight situations. In: Procedia - Social and Behavioral Sciences 209. (2015), S. 268 – 276.

Koglbauer, Iona V.; Braunstingl, Reinhard; Riesel, Michael; Braunstingl, Dietmar (2014). Ab initio flight training in a network of simulators: chances and challenges. In: Proceedings of the 31st EAAP Conference (2014), S. 507 – 511; 31. EAAP Conference

Öffentlichkeitsarbeit

Sky Revue, die Zeitschrift des Österreichischen Aeroclub, hat dem Projekt ELFlight in der Herbstausgabe 2014 einen zweiseitigen Bericht gewidmet. ECO, eine von ORF produzierte Sendung, strahlte im Frühling 2015 einen kurzen Bericht über die Anwendung neuer Lehrmittel im Forschungssimulator der TU Graz aus.