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Frauen in Forschung & Technologie
FEMtech

MOBI.SENIOR.A

MOBI.SENIOR.A

Tablets & Smartphones: Seniorinnen und Senioren in der mobilen digitalen Welt

Beteiligte Organisationen

Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) (Projektkoordination), B-NK OG Büro für nachhaltige Kompetenz, ZIMD Zentrum für Interaktion, Medien & soziale Diversität

Laufzeit

September 2013 – Februar 2016

Projektleiterin

DIin Barbara Buchegger
buchegger@oiat.at

Homepage

http://www.mobiseniora.at/

Ziel des Projekts

Ziel ist eine genderspezifische Erforschung der Internetnutzung mit Tablets und Smartphones in der Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren wobei Anforderungen, Motivationen, Aneignungsstrategien, Hindernisse, Zugänge, Anwendungen für bzw. von älteren Menschen im Zentrum stehen. Die Ergebnisse der empirischen Forschung sollen in die Entwicklung zielgruppenadäquater Bildungsangebote, Praxisleitfäden für gendersensible Kaufberatung und Support sowie in die App-Entwicklung einfließen.

Fragestellung

Welche Unterschiede gibt es bei Seniorinnen und Senioren hinsichtlich der Verwendung mobiler Endgeräte für die Internetnutzung (Tablets und Smartphones) und welche Schlussfolgerungen sind daraus für die gender- und diversitysensible Weiterbildung, Kaufberatung, den Support und die Entwicklung von Applikatoren („Apps“) für Mobilgeräte zu ziehen?

Hintergrund des Projekts

Menschen in der nachberuflichen Lebensphase sind jene Bevölkerungsgruppe, die die höchste Zuwachsrate bei der Nutzung digitaler Medien aufweist. Damit kann diese Personengruppe die mit Internet & Co. verbundenen Vorteile für sich nutzbar machen und das Risiko der sozialen und gesellschaftlichen Exklusion verringern. Insbesondere die zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten, wie Tablet-Computer und Smartphones, können Seniorinnen und Senioren den Zugang zum Internet erleichtern, stellen sie aber gleichzeitig vor neue Herausforderungen. Besonders auffällig in dieser Zielgruppe sind große genderspezifische Unterschiede. Gerade ältere Frauen sind dabei mit den Ausschlusseffekten sowohl des Doing Gender als auch des Doing Aging konfrontiert.

Geschlechter-/Gender-Konzeption

Das Projekt basiert auf einem sozialkonstruktivistischen Verständnis von Gender und berücksichtigt die sich aufgrund unterschiedlicher Lebensrealitäten und Techniknutzungsbiographien ergebenden spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen bei der Nutzung von neuen Medien. Es sollen mögliche Geschlechterstereotypen und Geschlechterrollen aufgezeigt werden und es wird darauf geachtet, dass die Berücksichtigung der Genderaspekte nicht zu einer Fortschreibung von Rollenklischees führt, sondern zur Erweiterung von Handlungsoptionen.

Bisherige Ergebnisse

In einem ersten Schritt wurden ein methodisches Konzept zur empirischen Untersuchung entwickelt und begleitende Literaturrecherchen durchgeführt. Das Detailkonzept umfasst die Durchführung von: (1) Usability-Tests mit SeniorInnen in Wien und Klagenfurt mit Schwerpunkt auf Apps, aber auch Tests der Inbetriebnahme sowie einige Outdoor-Tests von Apps als Ergänzung, (2) leitfadengestützte Interviews in Wien und Klagenfurt mit SeniorInnen mit dem Schwerpunkten Technikaffinität, Technikzuschreibungen, Smartphone- und Tablet-Anwendung und –Nutzung, (3) Cultural Probes (Ideentagebuch), um die Alltagsbedürfnisse von SeniorInnen zu erfassen und (4) Fokusgruppen-Interviews in Wien mit SeniorInnen zu ausgewählten Themen, wie Gebrauchsinformationen von/für Erstinbetriebnahme, Standardeinstellungen, Apps-Installation, Nutzung von Fahrplan-Apps, Landkarten und Ortungsdiensten sowie zu Fragen rund um Datenschutz und Privatsphäre. In diese Erhebungen wurden zwischen Jänner und Juli 2014 insgesamt 100 ProbandInnen (= SeniorInnen) einbezogen.

Folgende Ergebnisse konnten in diesem Projekt erarbeitet werden:

Die Zielgruppe ist als sehr heterogen bezüglich ihres Verhaltens, ihrer Einstellungen, Interessen und Bedürfnissen zu beschreiben. Auch ihre Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien und dem Internet ist unterschiedlich.

Bei der Benutzung von Smartphones führen vor allem (auch schon geringfügige) Beeinträchtigungen der Hände zu einer erschwerten Bedienung. Besonders wichtig für die Nutzung mobiler Endgeräte sind außerdem die Sinnesorgane. Insbesondere Smartphones sind aufgrund der kleinen Displays für SeniorInnen daher oft verhältnismäßig schwer zu bedienen. Vor allem in komplexen Kommunikationssituationen kann es sehr schnell zu einer Reizüberflutung und Überforderung der betroffenen Personen kommen.

Die Bedienung eines technischen Gerätes wird nicht von vornherein als technischer Vorgang wahrgenommen. Die Art und Dauer der Auseinandersetzung mit einem technischen Gerät ist je nach Komplexität der Bedienung unterschiedlich. Die Sicht auf bzw. der Umgang mit Technik wird zudem von genderrelevanten Aspekten geprägt. Beispielsweise spielt die Sozialisation, die mit der Dimension Gender verknüpft ist, eine Rolle. In weiterer Folge hat auch der individuelle Bildungsweg, wiederum durch Gender geprägt, einen Einfluss auf das Technikverständnis und den Umgang mit Technik. Technikkompetenz wird als männliche Eigenschaft gesehen. Aus diesen Gründen ergeben sich genderspezifische Unterschiede im Nutzungsverhalten bei verschiedenen technischen Geräten, wobei diese je nach Gerät unterschiedlich ausgeprägt auftreten.

Hürden bei der Bedienung eines Smartphones, Tablets und Laptops bzw. Stand-PC sind vielseitig. Eine wesentliche Bedienungshürde ist das fehlende tiefere Verständnis für die grundlegenden Konzepte („Conceputal Models“ bzw. „Mentale Modelle“), die hinter digitalen Medien und deren Anwendungen und Funktionen liegen. So ist manchen Personen z. B. nicht klar, wo und wie heruntergeladene Inhalte am Gerät gespeichert werden. Andere wiederum meinen, eine Anwendung sei nicht mehr am Gerät installiert, wenn die dementsprechende Verknüpfung am Desktop gelöscht wurde. Manche Personen versuchen, ihr Wissen bezüglich der grundlegenden Konzepte z.B. mit der „Trial-and-Error“-Methode zu erweitern und auf diese Weise bestehende Hürden zu bewältigen.

Um die Inbetriebnahme für unerfahrene NutzerInnen zu vereinfachen, sollten nur Einstellungen verlangt werden, die für die Nutzung wirklich notwendig sind. Die Sprache sollte in diesen Abfragen und Erläuterungen leicht verständlich sein und Fachausdrücke bzw. englischsprachige Begriffe sollten weitestgehend vermieden bzw. diese nach Möglichkeit erklärt werden. App-Shops sollten übersichtlich gestaltet und erwartungskonform benannt werden. Besonders in der Erstnutzungsphase gilt es, Frustrationen zu vermeiden: Stoßen ältere Menschen auf Nutzungshürden, sind sie schneller entmutigt als jüngere und geben sich meist selbst die Schuld am Scheitern. Es ist besonders wichtig, bei Gebrauchsanleitungen zu mobilen Endgeräten einen Kompromiss zwischen anschaulichen Erklärungen und der gebotenen Kürze zu finden.

Allgemein bestehen in Bezug auf Techniknutzung durch Seniorinnen und Senioren nicht nur alters-, sondern auch geschlechtsspezifische Unterschiede. Insbesondere älteren Frauen fehlen hier oftmals entsprechende Erfahrungen aus dem vorangegangenen Berufsleben; sie sind damit den doppelten Ausschlusseffekten von „Doing Gender“ und „Doing Aging“ ausgesetzt. So neigen ältere Frauen eher dazu, ihr neues Smartphone oder Tablet sofort von jemand anderem einrichten zu lassen, während mehr ältere Männer dies zunächst selber versuchen würden. Dies liegt vermutlich im niedrigeren Selbstbewusstsein in Bezug auf Technik der älteren Frauen begründet und nicht in tatsächlich schlechteren Fähigkeiten („Doing Gender“): Bei den Usability-Tests zeigten Probandinnen kein schlechteres Verständnis im Umgang mit den Testgeräten als männliche Testpersonen.

Anhand dieser Ergebnisse wurden im nächsten Schritt Empfehlungen erarbeitet: MOBI.SENIOR.A Empfehlungen, Guideline zur App-Entwicklung, Leitfaden Bildungsangebot Teil 1, Leitfaden Bildungsangebot Teil 2, Leitfaden Bildungsangebot Teil 3, Diverse Unterlagen zu Verkauf&Support.

Publikationen

Forschungsbericht:

Amann-Hechenberger, Barbara; Buchegger, Barbara; Erharter, Dorothea; Felmer, Viktoria; Fitz, Bernadette; Jungwirth, Bernhard; Kettinger, Marlene; Schwarz, Sonja; Knoll, Bente; Schwaninger, Teresa; Xharo, Elka (2015). Tablet & Smartphone: Seniorinnen und Senioren in der mobilen digitalen Welt. Forschungsbericht zum Projekt „mobi.senior.A“. Unter Mitarbeit von Daniela Kraler, Andreas H. Landl, Elisabeth Olsacher und Georg Spreitzer. Wien. Online verfügbar unter forschungsbericht.mobiseniora.at/forschungsbericht.pdf.

Erharter, Dorothea; Xharo, Elka (2015). Bedürfnislandschaft älterer Menschen in Österreich. In: Diefenbach, Sarah; Henze, Niels; Pielot, Martin (Hg.): Mensch und Computer 2015 - Proceedings. München: De Gruyter. ISBN-13: 9783110443349.

Xharo, Elka; Erharter, Dorothea (2014). SeniorInnen und Usability bei Smartphones und Tablets. In: Markus Seidl und Grischa Schmiedl (Hg.): Forum Medientechnik - Next Generation, New Ideas. Beiträge der Tagung 2014 an der Fachhochschule St. Pölten, 26. und 27.11.2014. Glückstadt: Werner Hülsbusch. ISBN 978-3-86488-072-8. S. 255–268. Online verfügbar unter https://phaidra.fhstp.ac.at/detail_object/o:104.

Erharter, Dorothea; Jungwirth, Bernhard; Schwarz, Sonja; Knoll, Bente; Posch, Patrick; Xharo, Elka (2014). Smartphones, Tablets und App für Seniorinnen und Senioren. In: Kempter, Guido & Ritter, Walter (Hrsg.) (2014). Assistenztechnik für betreutes Wohnen. Beiträge zum Usability Day XII. ISBN 978-3-89967-943-4. Online verfügbar unter www.zimd.at/sites/default/files/files/TabletsSmartphonesApps.pdf.

Erharter, Dorothea; Xharo, Elka (2014). Gendability. Gender & Diversity bewirken innovative Produkte. In: Marsden, Nicole & Kempf, Ute (2014). Gender-UseIT - HCI, Web-Usability und User Experience unter Gendergesichtspunkten. Oldenbourg. ISBN 978-3110356977. S. 127-141

Öffentlichkeitsarbeit

MOBI.SENIOR.A Presseinformation 11. Juni 2015