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Frauen in Forschung & Technologie
FEMtech

FLASH

FLASH

Flexibles zielgruppengerechtes Activity Scheduling

Beteiligte Organisationen

Österreichisches Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal Ges.m.b.H. (AIT Mobility) (Prüfungskoordination), Herry Consult Ges.m.b.H. – Büro für Verkehrsplanung, [CURE Centre for Usability Research and Engineering – ist später ausgestiegen], Fluidtime Data Services GmbH, PhysioAustria – Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs, Gewerkschaft der Privantangestellten

Projektleiterinnen

Dr.in Andrea Rendl (bis September 2013), Dr.in Pamela Nolz (ab Oktober 2013)
pamela.nolz@ait.ac.at

Laufzeit

September 2012 – August 2014

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Ziel des Projekts

Ziel von FLASH ist die Entwicklung methodischer Grundlagen für einen gendersensiblen Tagesplaner (Smart-Phone-Applikation) für private und berufliche Aktivitäten. Der Tagesplaner soll für die Aktivitäten Vorschläge für Ort, Zeitpunkt, Reihenfolge und Route berechnen. Die Benutzeroberfläche des Tagesplaners soll auf die Bedürfnisse der Zielgruppe(n) abgestimmt werden, um eine maximale Nutzbarkeit zu gewährleisten. Um dies zu gewährleisten sollen genderrelevante Anforderungen an einen Tagesplaner definiert und erhoben werden, neuartige gendersensible Tagesroutenplanungsalgorithmen und ein zielgruppengerechtes Design der Benutzeroberfläche sowie neuartige Methoden zum gender-centered Design entwickelt werden. Damit sollen Personen mit komplexen Wegeketten bei der Tages-, Wege- und Routenplanung unterstützt werden. Dies soll bspw. zu besserer Freizeiteinteilung, Reduktion von Stress, Leistungssteigerung und zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Zielgruppe führen.

Fragestellungen

  • Wie können komplexe Wegeketten geplant und optimiert werden, wobei die Ziele in der Wegekette in der Reihenfolge verschiebbar bzw. örtlich und zeitlich variabel sein können und genderrelevante Aspekte der Tagesplanung  mitberücksichtigt werden sollen?
  • Wie kann dieses Planungssystem genderkonform visualisiert und implementiert werden?

Hintergrund des Projekts

Die Komplexität von Alltagswegen variiert stark zwischen sozialen Gruppen. So sind es nach wie vor zumeist Frauen, die ihre Erwerbsarbeitsverpflichtungen mit Familien- und Versorgungsarbeit vereinbaren und so komplexe Wegeketten im Laufe eines Tages bewältigen müssen. Herkömmliche Terminkalender oder Routenplaner gehen auf die Anforderungen von Personen mit komplexen Wegen jedoch nicht ein. Ziel von FLASH ist daher die Entwicklung von Grundlagen für einen intelligenten Activity Scheduler (Terminplaner), der genau auf die Bedürfnisse von Personen mit komplexen Wegeketten zugeschnitten ist und diese somit stark entlastet.

Momentane Hilfsmittel zur Tagesplanung sind entweder digitale Kalendersysteme, in denen man fixe Termine eintragen kann oder Routenplaner, welche die beste(n) Strecke(n) zwischen bestimmten, gereihten Zielen berechnen. Beide Systeme können jedoch keine (optimalen) Tagespläne berechnen, in denen auf die Flexibilität der Aktivitäten in komplexen Wegeketten eingegangen wird.

Geschlechter-/Gender-Konzeption

Geschlecht wird als sozial konstruiert verstanden. Frauen sind mitunter Zielgruppe für den Tagesplaner, da sie komplexere Wegeketten zurücklegen.

Ergebnisse

Im Projekt FLASH wurden methodische Grundlagen für ein intelligentes Planungssystem entwickelt, welches Personengruppen mit komplexen Wegeketten bei der Planung und Abwicklung von beruflichen und privaten Terminen unterstützt.

Nach einer umfangreichen Literaturrecherche erfolgte eine Sekundäranalyse, um die Datengrundlage vertiefend zu betrachten sowie zu analysieren. Die daraus gewonnenen Informationen wurden als Grundlage für die Entwicklung eines mathematischen Modells zur Problembeschreibung herangezogen. Dieses Modell wurde sowohl mit einem exakten Solver als auch mit einer metaheuristischen Methode gelöst, wodurch ermöglicht wurde, die Qualität der heuristisch generierten Lösungen zu bewerten. Zusätzlich zu diesem statischen Lösungsansatz wurde eine heuristische Methode entwickelt, um auch dynamisch auftretende Anforderungen an den Tagesplaner optimieren zu können. Das Testen der Lösungsmethoden erfolgte anhand selbst generierter Testinstanzen in Anlehnung an die im Projekt erstellten Use-Cases. In der Folge wurden die heuristischen Lösungsalgorithmen in den Tagesplaner integriert.

Auf der Grundlage eines Genderworkshops, Interviews und Fragebögen wurden aufbauend auf den Erkenntnissen aus der Datenerhebung, Szenarien und Verwendungsmöglichkeiten entwickelt, die in heuristischen und weiteren ExpertInnenevaluierungen analysiert und gemeinsam mit den EndnutzerInnen auf Sinnhaftigkeit geprüft wurden. Die Interaktionskonzepte und Interfaces wurden an diese Ergebnisse angepasst.

Basierend auf der BenutzerInnenanalyse wurden die Anforderungen an die FLASH Applikation definiert. Hierbei wurden die Use Cases und das Interfacekonzept in einem iterativen Prozess ausgearbeitet. Das Interfacekonzept sowie der resultierende Screenflow für die FLASH Applikation wurden ebenfalls iterativ entwickelt und zusätzlich das Visual Design definiert. Nach der Spezifikationsphase wurde die Entwicklung der FLASH Applikation durchgeführt, die anschließend evaluiert wurde.

Die FLASH Applikation wurde für die Android Plattform (ab 4.0) umgesetzt. Diese wurde in einem iterativen Prozess entwickelt und getestet. Die FLASH Applikation kommuniziert über eine RESTful Schnittstelle mit dem Optimierungsserver. Diese Schnittstelle ermöglicht es NutzerInnen, sich anzumelden und individuelle, optimierte Wochenpläne zu erhalten. Die Routenberechnung wird durch die Ariadne API ermöglicht. Mittels Unit- und Integrationstests wurde die Funktionstüchtigkeit des in Java implementierten und mit WildFly 8 (ein Java EE7 Application Server) gehosteten Webservices sichergestellt.

Dissemination der Ergebnisse

Das modellierte mathematische Modell und Ergebnisse der Lösungsalgorithmen wurden im Zuge der Konferenz Verolog (EURO Working Group on Vehicle Routing and Logistics Optimization) 2014 in Oslo und 2015 in Wien präsentiert:

Nolz, Pamela; Matl, Piotr; Ritzinger, Ulrike, Tricoire, Fabien. A bi-objective orienteering problem for activity scheduling with multiple time windows and dependencies, Verolog 2014 in Oslo.

Matl, Piotr; Nolz, Pamela; Ritzinger, Ulrike; Ruthmair, Mario; Tricoire, Fabien. Bi-objective orienteering for personal activity scheduling, Verolog 2015 in Wien.

Tscheligi, Manfred; Isbister, Katherine; Höök, Kristina; Obrist, Marianna; Busch, Marc; Hochleitner, Christina A. “Touch me”: workshop on tactile user experience evaluation methods. Proc. CHI EA (Toronto), ACM Press (2014), 41–44.

Regal, Georg; Busch, Marc; Hochleitner, Christina A.; Wokerstorfer, Peter; Tscheligi, Manfred. TACTUX: a tactile user experience assessment board. Proceedings of the 8th Nordic Conference on Human-Computer Interaction Fun, Fast, Foundational - NordiCHI ’14 (Helsinki), ACM Press (2014), 983–986.

Nachwuchsförderung

Piotr Matl hat seine Masterarbeit „A Large Neighborhood Search Metaheuristic for the Personal Planning Problem“ an der Universität Wien im Zuge des Projekts FLASH verfasst. Masterarbeit Matl, Piotr