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ReHABITAT

ReHABITAT

Vom Einfamilien- zum Mehrpersonenhaus: Gender- und altersgerechte Sanierungs- und Revitalisierungsoptionen mit Zukunft

Beteiligte Organisationen

Österreichisches Ökologie-Institut (Projektkoordination), Gugerell KG, architope Netzwerk für nachhaltige Architektur

Laufzeit

Juli 2013 – Juli 2015

Projektleiterin

DIin Julia Lindenthal
lindenthal@ecology.at

Ziel des Projekts

Ziel von ReHABITAT ist es, durch die Erarbeitung ideenstiftender Grundlagen einen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Wohnformen und Siedlungsentwicklung zu leisten. Konkret sollen gender- und altersgerechte Sanierungs- und Revitalisierungsoptionen für Einfamilienhäuser entwickelt werden, die in Form eines Handbuchs zur Verfügung gestellt werden. Die Ergebnisse werden für unterschiedliche Zielgruppen (BewohnerInnen von sanierungsbedürftigen Einfamilienhäusern, PlanerInnen, EnergieberaterInnen, etc.) so aufbereitet, dass die gender- und diversitätsrelevanten Aspekte im Berufsalltag anwendbar sind. 

Fragestellungen

  • Welche Optionen der sensiblen Nachverdichtung von Einzelgebäuden über Mehrpersonenhäuser hin zu Gebäudeverbänden sind geeignet, um vielfältiges gender- und altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen?
  • Welche Lösungen auf technischer, sozialer und administrativer Ebene sind notwendig, um diese Adaptierungs- und Sanierungsvarianten zu fördern?
  • Was überzeugt und was hemmt die relevanten AkteurInnen sich für diese Optionen zu entscheiden?

Hintergrund des Projekts

Drei Viertel aller Gebäude Österreichs sind Ein- und Zweifamilienhäuser. Der Sanierungs- und Revitalisierungsbedarf des Bestandes ist hoch. Einfamilienhäuser werden aus unterschiedlichen Gründen immer mehr von Einzelpersonen bewohnt. Von der damit verbundenen sozialen Vereinsamung und den finanziellen Problemen sind besonders Frauen betroffen. Eine Lösung bietet die Schaffung von mehreren (getrennt begehbaren) Wohneinheiten in einem Haus („nachverdichten“).

Geschlechter-/Gender-Konzeption

Geschlecht und Gender werden im Projekt als sozial konstruiertes Geschlecht verstanden, das immer wieder rekonstruiert wird. Die Genderrelevanz des Forschungsvorhabens wird in ReHABITAT so beschrieben, dass gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse als grundlegende Strukturen der Gesellschaft und damit auch des Bauens, Wohnens und Sanierens zu begreifen und die damit zusammenhängenden Macht-, Ressourcen- und Verantwortungsfragen wahrzunehmen, zu thematisieren, zu hinterfragen, zu beforschen und – soweit möglich – im Rahmen des Forschungsprojektes zu dekonstruieren sind. 

Ergebnisse

Es wurde ein Handbuch erarbeitet, welches neben den gender- und altersgerechten Sanierungsoptionen auch eine Aufbereitung der recherchierten Rahmenbedingungen aus den technischen, rechtlichen, finanziellen Bereichen, sowie Empfehlungen für die Zielgruppen (EFH-BesitzerInnen und -bewohnerInnen, AkteurInnen der öffentlichen Hand, AkteurInnen aus Planung, Beratung und der Baubranche) die ein konkretes Projekt umsetzen oder unterstützen möchten, beinhaltet. (siehe ReHABITAT Handbuch)

Ein Ergebnis des Forschungsprojekts ist auch, dass gemeinwohlorientierte Nachverdichtung als neuer Begriff etabliert werden könnte, der die (befürchteten und realen) Nachteile der Nachverdichtung im herkömmlichen Sinn entschärfen kann, und darüber hinaus Ökologie und Soziales zusammenführt. Diesen Begriff gilt es in weiteren Projekten zu etablieren.

Vier Gebäudetypologien wurden auf ihre Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu Mehrpersonenhäusern hin untersucht. Dafür wurden die Lösungsvarianten wie geplant auf den erhobenen Bedarfen und Bedürfnissen von HausbesitzerInnen und –bewohnerInnen (Interviews), dem Wissen und Empfehlungen unterschiedlichster FachexpertInnen (Workshops und Interviews) sowie auf den recherchierten Rahmenbedingungen zu sozialen, technischen, rechtlichen und finanziellen Belangen aufgebaut und entwickelt.

Das im Handbuch anschaulich aufbereitete Material umfasst 56 reingezeichnete Entwürfe von Keller- Erd- oder Dachgeschoßen (und noch viel mehr Skizzen) sowie unzählige Erkenntnisse zu baulichen, sozialen und administrativen Lösungsansätzen.

Einzig die Entwicklung gebäudetechnischer Komponenten hat sich als nicht wirklich notwendig bzw. sinnvoll herausgestellt, da sowohl die Gebäude selbst, als auch die Bedürfnisse und Bedarfe der BewohnerInnen derart unterschiedlich und vielfältig sind, dass von Wohnformen entkoppelte Module kaum vorstellbar sind.

Dissemination der Ergebnisse

Die Abschlussveranstaltung fand am 24.6.2015 in Zusammenarbeit mit dem Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich in dessen Räumen in St. Pölten statt. Einladung Abschlusspräsentation

Julia Lindenthal präsentierte Zwischenergebnisse des Projekts beim 17th European Roundtable on Sustainable Consumption and Production (ERSCP 2014), der vom 14.-16.Okt 2014 in Portorož, Slowenien, stattfand.

Julia Lindenthal stellte die Projektergebnisse auf dem European Network for Housing Resarch (ENHR 2015) vor, 29.6.-1.7.2015 in Lissabon, Portugal.

Julia Lindenthal stellte ReHABITAT bei einem von der Fachhochschule Stuttgart im Rahmen eines Forschungsprojekts der Wüstenrot Stiftung organisierten ExpertInnenworkshop zum Thema „Einfamilienhausgebiete der 1950er bis 1970er Jahre - Strategien und Projekte für eine nachhaltige Entwicklung“ vor (Februar 2015).

Julia Lindenthal stellte das Projekt und die Ergebnisse beim Landinger Sommer in Hinterstoder vor (Juli 2015).

Constance Weiser nahm an verschiedenen Workshops aus der Reihe „Gemeinsam Bauen und Wohnen in der Praxis" teil. Dabei erfolgte ein Austausch in beide Richtungen – einerseits konnten Erkenntnisse der in den Workshops vorgestellten Projekte im Rahmen von ReHABITAT aufgegriffen werden, andererseits wurde die ReHABITAT-Idee kontinuierlich bekannt gemacht. Bei der Baukultur-Veranstaltung zu Zwischennutzung und Leerstand konnte sie in der anschließenden Diskussion die Erkenntnisse von ReHABITAT vergleichend einbringen.

Folgeprojekt

Noch in der Laufzeit von ReHABITAT wurden drei mögliche Folgeprojekte beantragt, von denen eines genehmigt wurde (siehe „ReHABITAT-ImmoCHECK+“).