Expertin des Monats
Okt. 2023
Christina Maria Huber, MSc

Mit großer Freude sehe ich, dass Frauen im Bereich Sustainability stark vertreten sind. Es handelt sich hierbei, um eine einzigartige Schnittmenge von Wissen zu rechtlichen, wirtschaftlichen, technischen und organisationalen Themen. Frauen haben hier die Chance Organisationen weitreichend zu verändern und sich Platz zu schaffen. Sie sind meiner Ansicht nach besonders dafür geeignet, da Frauen eine höhere Affinität haben soziale Dimensionen, Transparenz und Fairness ob ökologisch oder ökonomisch zu verstehen und mitzudenken. Diversität bringt nachweislich bessere Unternehmenserfolge und Frauen bringen diese Diversität vor allem in naturwissenschaftlichen-technischen Berufen an den Tisch, weil dieser häufig noch vor Allem von Männern besetzt ist. 

Interview

FEMtech Interview mit Christina Maria Huber

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?  

Auf meiner digitalen Visitenkarte steht: 

Christina Maria Huber, 
Head of Sustainability bei neoom
christina.huber@neoom.com
+43 660 5548838

Was macht neoom genau? 

Neoom ist ein internationales Cleantech Unternehmen mit Ursprung in Österreich und bietet eine 360° Gesamtlösung für die Energiewende. Das tun wir, indem wir Privaten, Unternehmen und Gemeinden dabei helfen Teil der Energiewende zu werden und auf dezentrale erneuerbare Energie umzusteigen. Wir unterstützen sie, eigene Solarkraftwerke (Photovoltaik-Anlagen mit Stromspeichern) zu planen und zu errichten, diese intelligent mit anderen Verbraucher:innen durch unsere Energiemanagementsoftware zu vernetzen, und auch optimal zu bewirtschaften durch moderne Services wie Energiegemeinschaften oder Regelenergie.

Sie leiten die Abteilung Nachhaltigkeit. Was machen Sie da genau? 

In meiner Rolle als Head of Sustainability erhalte ich Einblicke in einen Querschnitt der Unternehmenstätigkeiten und wirke in diversen Themenbereichen mit. Grob können die Tätigkeiten in die folgenden Bereiche eingeteilt werden: Regulatorisches und Compliance, Produkte, Services und Corporate - also unternehmensinterne Themen. Es handelt sich dabei um viel Projektmanagement, Wissensmanagement und Datenerhebung, sowie Datenaufbereitung. Im Grunde ist es meine Aufgabe, den negativen Impact des Unternehmens zu quantifizieren und zu minimieren, die Risiken und Chancen aus dem GREEN Deal zu evaluieren und uns darauf vorzubereiten, sowie den positiven Impact zu maximieren. Zusätzlich bin ich die in-house Expertin für CO2-Märkte. 

Meine Tätigkeiten sind auf der einen Seite sehr strategisch, da es darum geht das Unternehmen langfristig auf kommende Anforderungen vorzubereiten, ob aus regulatorischer Perspektive oder aus Kund:innen- und Mitarbeiter:innensicht. Gleichzeitig bin ich häufig sehr tief in den einzelnen Materien drinnen, wenn es zum Beispiel darum geht, ein Ökobilanzierungsprojekt zu koordinieren, den Unternehmens-CO2 Fußabdruck zu berechnen oder in der Diskussion und Aufbereitung, welche Nachhaltigkeitsinhalte relevant für unsere Stakeholder sind und wie wir diese Informationen am besten transportieren.

Es ist auf jeden Fall immer spannend, neoom auch gegenüber Investor:innen und bei Veranstaltungen zu vertreten und über die Energiewende und unsere Nachhaltigkeitsbemühungen zu sprechen, denn es gibt hier noch viel Aufklärungs- und Diskussionsbedarf.

Wie hoch ist der Frauenanteil bei der neoom? 

Der Frauenanteil bei neoom beträgt gesamt 27%. 

Was unternimmt neoom zur Förderung von Chancengleichheit in der Organisation?

Neoom versucht durch das Entgegenkommen in Arbeitszeitmodellen und Anpassung an individuelle Bedürfnisse mehr Frauen in die männerdominierte Energiebranche zu holen. Somit sind die Möglichkeiten auf Teilzeit, flexible Arbeitszeiten und Home-Office bei neoom stark ausgeprägt, um dabei auch auf die Bedürfnisse von Frauen besser eingehen zu können. Es ist bei neoom derzeit auch möglich mit einer Teilzeitstelle eine Führungsposition innezuhaben. 

Durch Coaching und persönliche Gespräche unterstützt die People & Culture Abteilung Frauen dabei, vermehrt in die Verantwortung zu gehen und achtet beim Einstellungsprozess und bei der Entlohnung darauf, dass Stellen allem Voran nach Qualifikation und gleichberechtigt vergeben werden. 

2023 unterstützte neoom zum ersten Mal zwei FEMtech Praktikantinnen, die jeweils sechs Monate Teil des neoom Teams wurden und dabei Einblicke in die Bereiche Digital Services und Sustainability erhielten.

Sie haben „Environmental Technology and international Affairs“ an der Technischen Universität Wien studiert. Wie kam es dazu?

Durch einen Nebenjob gegen Ende meines Bachelorstudiums an der Wirtschaftsuniversität Wien habe ich mich mit intelligenten Stromnetzen auseinandergesetzt und beschlossen, meine Bachelorarbeit über Smart Grids und ihre Rolle in der Energiewende zu schreiben. Mir fiel auf, dass es an Brückenbauer:innen fehlte, die thematisch das Technische der Umsetzungen der Energiewende mit dem Wirtschaftlichen und dem Politischen verbinden. Der Studiengang „Environmental Technology and international Affairs“ ermöglicht es Personen aus den Geisteswissenschaften in der Technik Fuß zu fassen sowie vice versa und war somit genau das Richtige für mich, da ich mich in dieser interdisziplinären Rolle sah. Ich habe meine Zeit an der diplomatischen Akademie und an der Technischen Universität Wien sehr genossen, weil der interdisziplinäre Ansatz und das fordernde Umfeld mir über zwei Jahre unglaublich viel Wissen vermittelte und das internationale Umfeld auch an interessanten persönlichen Beziehungen sehr viel hergab. Es war mir davor nie in den Sinn gekommen, etwas Technisches zu studieren, doch war das Interdisziplinäre und der logische Ansatz genau das Richtige für mich und ich konnte dadurch Einblicke in verschiedenste Bereiche von Atmosphärenchemie bis hin zum Abfallwirtschaftsmanagement erhalten.

Was braucht es Ihrer Meinung nach noch, damit mehr Mädchen und Frauen in Naturwissenschaft und Technik Fuß fassen?

Mein erster Gedanke ist es, ein früheres Auseinandersetzen mit technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und Bereichen vorzuschlagen. Mir selbst war es lange nicht in den Sinn gekommen, dass Technik überhaupt eine Möglichkeit für mich darstellt. 

Gleichzeitig weiß ich, dass es für viele Mädchen und Frauen besonders schwierig ist auf Höhere Technische Lehranstalten zu gehen oder sich in der Technik zu behaupten, da häufig noch ein frauenfeindliches beziehungsweise sexistisches Verhalten an solchen Schulen, im universitären Umfeld und am Arbeitsplatz gang und gäbe ist. Es braucht somit nicht nur mehr Frauen, die von ihren Möglichkeiten wissen, sich interessieren oder engagieren, sondern vor allem mehr Männer, die dafür sorgen, dass ein Arbeits-, Lehr- oder Lernplatz für Frauen inklusiv ist und, dass diese nicht dazu angehalten werden, sich mit sexistischem Verhalten einfach abzufinden.

Wordrap mit Christina Maria Huber

Womit ich als Kind am Liebsten gespielt habe:
Pferden

Dieses Studium würde ich jetzt wählen:
Weiterhin im Master: Environmental Technology and international Affairs

Mein Vorbild ist:
David Attenborough – Er hat sein ganzes Leben der Umwelt und seiner Leidenschaft gewidmet, und steht für seine Werte und einen größeren Sinn mit einer unglaublichen Integrität und Warmherzigkeit ein

Was ich gerne erfinden würde:
Ein Mittel, dass Leuten bewusst macht, wie kritisch der Klimawandel ist und sie dazu bringt, dagegen tätig zu werden, denn die Lösungen gibt es bereits.

Wenn der Frauenanteil in der Technik 50 Prozent beträgt … 
… werden technische Lösungen besser, gerechter und kreativer.

Wenn der Frauenanteil in Führungspositionen 50 Prozent beträgt …
… werden Unternehmen langfristig besser wirtschaften.

Was verbinden Sie mit Innovation: 
Neue Lösungen finden, um Produkte, Dienstleistungen oder Materialien besser, effizienter, sicherer und nachhaltiger zu machen.

Warum ist Forschungsförderung in Österreich wichtig:
Weil wir Forscher:innen in Österreich die Chance geben müssen Neues zu entwickeln und Altes zu verbessern ohne von Anfang an zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Wie Anton Zeilinger nach der Annahme des Nobelpreises erzählte: Durchbrüche finden in der Wissenschaft meistens zufällig statt. Sein Nobelpreis wäre ohne diese Freiheit und Förderung nicht möglich gewesen.

Meine Leseempfehlung lautet:
„The Solutionist – how businesses can fix the future“ von Solitaire Townsend, weil ich überzeugt bin, dass Unternehmen eine essenzielle Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen und es die Menschen in diesen Unternehmen sind, die ihre Rolle erkennen und richtig einsetzen müssen.

Außerdem empfehle ich „Utopien für Realisten“ von Rutgar Bregman, weil wir eine bessere Zukunft verdient haben und wir manchmal wen brauchen, der uns aufzeigt, dass diese auch realistisch umsetzbar sind. 

Christina Maria Huber
Christina Maria Huber, MSc

Head of Sustainability

neoom

Lebenslauf (pdf, 387,33 KB)

Zum Profil

Kontakt

Letzte Aktualisierung: 10.10.2023